Krise schreiben
Dies ist ein Corona-Post. Wenn du keine Lust mehr auf Corona-Posts hast – was ich gut verstehen kann – dann kann ich das gut verstehen und bitte dich, jetzt diesen Blog zu verlassen.
Nebenbei erzählt Christopher Rüping von seiner „Trommeln in der Nacht“ Inszenierung, die ich noch nicht gesehen habe. Den Chat gestern habe ich verpasst.
Ich habe gerade eine Teller Nudeln in mich rein gestopft nachdem ich mich zwei Stunden lang überzeugen konnte wirklich keinen Hunger zu haben. Ich sollte jetzt eigentlich an einem Theaterstück arbeiten. Es sind ideale Bedingungen, sozusagen. In der Lohnarbeit ist nicht viel zu tun und ich darf das Haus nicht verlassen, bin also eigentlich an Schreibtisch/Couch/Bett/Küche gefesselt.
Das einzige was ich aber effektiv hinbekomme ist kochen. Dazu höre ich Radio/lese Nachrichten und breche unvermittelt in Tränen aus. Nicht bei den schlimmen Nachrichten, da verkrampft einfach alles in mir und mein Blick wird wahrscheinlich stumpf. Bei den rührigen Nachrichten, da bricht dann alles raus.
Es ist so eine seltsame Zwischenwelt: Man sucht ja nach sichtbaren Zeichen der Veränderung und es gibt sie. Also, die Masken und Schals im Gesicht, die Skihandschuhe, die manche Menschen tragen etc. Vor allem die Blicke sind es, mit denen man taxiert wird, jeder jeden abtastet und zu erfassen versucht, ob der andere vorsichtig ist, sich zurückhält, vielleicht auch Symptome zeigt etc. es sind fast zärtliche Blicke, verräterisch, ängstlich und neugierig zugleich, als warteten wir alle auf etwas das nicht eintrifft.
Dabei sollte man sich EIGENTLICH keine Illusionen machen: Die neue, andere Welt hat schon begonnen. Es werden Gesetze erlassen, Dinge getan, die vorher nicht möglich schienen und Dinge gelassen, die vorher für unabdingbar gehalten wurden. Es formt sich die neue Welt und wir mit ihr.
Aber es ist so, dass es ja schneller geht als wir gehen können, emotional. Es zieht uns hinter sich her, wie im wilden Westen, wenn ein Mann an ein Pferd angebunden wird, das dann losgejagt wird und der Mann zu Tode geschleift wird (oder kann man das überleben?). Danach einfach gucken wieviel noch übrig ist.
Jetzt schaue ich „Trommeln in der Nacht“: Es geht um die Entscheidung: Liebe oder Revolution. Warum geht das eigentlich nicht (nie?) zusammen?